Leseprobe: Kurzprosa II:
Das Schaf und die Schlange
Eine Betrachtung zum Thema "Vertrauen"
Ein seltsames Fabeltier starrte mich aus dem Gebüsch heraus an. Es hatte den sanften Körper eines Schafes, aber den Kopf einer Schlange. Die Augen noch brav, doch die Zunge lüstern und gierig.
Ich lag in einem mit Stoff bespannten Liegestuhl auf einer Wiese und um mich herum schreiende Menschen die warnten: „Vorsicht! Der Biss ist tödlich!“
Ich erwiderte: „Aber nein! Warum denkt ihr immer gleich so negativ? Es will nur spielen! Schaut es euch doch an: Ein Schaf, dass sich aus Angst und zum Selbstschutz wie eine Schlange gebärdet!“
Mit ein paar Grashalmen wedelte ich dem Tier neckisch vor der Nase herum. Ich wollte mit ihm spielen, aber es gleichzeitig beruhigend auf Distanz halten. Denn - hundertprozentig sicher war ich mir nicht.
Plötzlich schoss es wie ein Pfeil nach vorne direkt unter meinen Liegestuhl. Jetzt wird es von unten zubeißen, mir ohne die geringste Möglichkeit einer Gegenwehr heimtückisch den Todesbiss versetzen! Meine naive Gutmütigkeit werde ich mit dem Leben bezahlen.
Hiiilfe! schrie ich, bäumte mich auf, fiel aus dem Bett, schlug hart auf den Boden der Tatsachen, nämlich auf meinen Fußboden, und erwachte benommen aus dem Traum.
Und deshalb meine Frage an euch Traumdeuter: Wollte dieses Wesen mir wirklich Schmerz zufügen, mich sogar töten, - oder - nur Schutz bei mir suchen und einen Freund finden?